Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Arturia BeatStep Pro im Test

Der Arturia BeatStep Pro ist kein gewöhnlicher MIDI-Controller. Er ist vor allem ein eigenständiger Hardware-Sequencer, der Synthesizer, Drum-Machines, Modularsysteme und eine DAW unter einer gemeinsamen Clock zusammenbringen kann. Seine Bedienoberfläche verzichtet weitgehend auf Displays und verschachtelte Menüs. Stattdessen liegen die entscheidenden Schritte, Pads und Parameter direkt vor dir.

Im Test zeigt sich schnell, warum das Gerät auch Jahre nach seiner Einführung noch interessant ist. Zwei Melodiespuren, ein umfangreicher Drum-Sequencer und die ungewöhnlich komplette Anschlusssektion decken viele Setups ab, für die sonst mehrere kleine Helfer nötig wären. Gleichzeitig hat das Konzept klare Grenzen: Die Melodie-Sequencer sind monophon, die Stromversorgung läuft über Micro-USB und die Firmware wird schon lange nicht mehr erweitert.

Solides Gehäuse mit klarer Aufgabenverteilung

Mit 415 × 163 × 36 Millimetern bleibt der BeatStep Pro flach, bietet den Bedienelementen aber ausreichend Platz. Das Gewicht von 1,45 Kilogramm überrascht beim ersten Anheben. Der Controller steht satt auf dem Tisch und wirkt deutlich solider, als das schlanke Format zunächst vermuten lässt. Die Regler sitzen sauber, die Taster geben eine eindeutige Rückmeldung und die Pads sind groß genug, um sie sicher zu treffen.

Die Oberfläche ist in drei gut erkennbare Bereiche gegliedert. Oben befinden sich 16 berührungsempfindliche Encoder, darunter 16 Step-Taster und anschließend 16 anschlag- sowie druckempfindliche Pads. Hinzu kommen Transport, Tempo, Swing, Randomness, Probability und der Touchstrip. Die Beleuchtung wechselt passend zur gewählten Spur. Dadurch erkennst du auch ohne großes Display, welchen Sequencer du gerade bearbeitest.

Ganz ohne Einarbeitung geht es dennoch nicht. Mehrere Funktionen liegen auf Shift-Kombinationen, und das Speichern von Projekten sollte man vor dem ersten längeren Jam verstanden haben. Die grundlegende Arbeit mit Steps, Notenwerten und Patterns erschließt sich dagegen schnell. Für die tieferen Einstellungen gibt es außerdem die deutsche BeatStep-Pro-Bedienungsanleitung.

Arturia BeatStep Pro im Test - Solides Gehäuse mit klarer Aufgabenverteilung

Drei Sequencer für Melodien und Drums

Das Zentrum bilden zwei unabhängige monophone Melodie-Sequencer und ein separater 16-Spur-Drum-Sequencer. Jede melodische Sequenz kann zwischen einem und 64 Schritte lang sein. Tonhöhe, Anschlagstärke und Gate-Zeit lassen sich pro Step bearbeiten; gebundene Noten sind ebenfalls möglich. Beide Melodiespuren arbeiten unabhängig voneinander und können unterschiedliche Pattern, Längen und Zeitteilungen nutzen.

Pro Projekt stehen 16 Sequenzen für jede Melodiespur und 16 Drum-Patterns bereit. Insgesamt speichert der BeatStep Pro 16 vollständige Projekte. Für ein Live-Set oder eine längere Jam-Session ist damit reichlich Material direkt im Gerät verfügbar. Der Aufbau bleibt patternorientiert: Du arbeitest mit Sequenzen und wechselst oder kombinierst diese, statt komplette Arrangements wie in einer DAW auf einer linearen Zeitleiste zu bauen.

Melodien direkt am Step programmieren

Im Step-Modus wählst du einen Schritt und stellst über den zugehörigen Encoder Tonhöhe, Velocity oder Gate-Länge ein. Die Regler sind berührungsempfindlich. Schon beim Anfassen erscheint der aktuelle Wert im Display, ohne dass du ihn sofort veränderst. Dieses Knob-per-Step-Prinzip macht den BeatStep Pro besonders schnell: Mehrere Noten lassen sich während der Wiedergabe nacheinander anpassen, ohne durch Untermenüs zu springen.

Alternativ spielst du Noten über die Pads oder eine angeschlossene MIDI-Tastatur in Echtzeit ein. Die Pads funktionieren für kurze Basslinien und einfache Motive ordentlich, ersetzen aber keine Klaviatur. Ihre Oberfläche fühlt sich eher straff an. Wer Melodien wirklich einspielen möchte, profitiert daher von einem externen Keyboard; für die anschließende Bearbeitung bleibt die direkte Step-Eingabe die Stärke des Geräts.

Die monophone Auslegung ist dabei keine Nebensache. Jeder der beiden Melodie-Sequencer steuert jeweils eine Note pro Schritt. Basslinien, Leads, Arpeggio-Figuren und modulare Stimmen passen hervorragend zu diesem Aufbau. Akkordfolgen lassen sich dagegen nicht als polyphone Sequenz aufnehmen. Dafür brauchst du einen anders ausgelegten Sequencer, etwa den KeyStep Pro, oder eine DAW.

Arturia BeatStep Pro im Test - Drei Sequencer für Melodien und Drums

Drum-Patterns ohne Umweg

Der Drum-Sequencer umfasst 16 Spuren, eine pro Pad. Ein Pattern entsteht entweder in Echtzeit über die Pads oder klassisch über die Step-Taster. So lässt sich eine Kick auf einer Spur setzen, danach die Snare wählen und anschließend die Hi-Hat ergänzen. Velocity, Notenlänge und zeitliche Verschiebung helfen dabei, ein starres Raster aufzubrechen.

Besonders nützlich sind unterschiedlich lange Drum-Spuren. Ein kurzes Hi-Hat-Muster kann gegen eine längere Kick- oder Percussion-Folge laufen und erzeugt dadurch Polymeter ohne komplizierte Programmierung. Genau hier spielt die übersichtliche Oberfläche ihre Stärke aus: Spur auswählen, Länge festlegen und das Ergebnis sofort hören.

Performance-Funktionen, die wirklich in den Ablauf passen

Sequenzen anzulegen ist nur die halbe Aufgabe des BeatStep Pro. Das Gerät ist darauf ausgelegt, sie während der Wiedergabe zu verändern. Swing lässt sich global oder unabhängig pro Sequencer einstellen. Mit Randomness und Probability bringst du kontrollierte Abweichungen in ein Pattern, ohne jede Note einzeln umzubauen. Dabei reicht der Regelweg von kleinen Variationen bis zu deutlich hörbaren Umbrüchen.

Der Touchstrip arbeitet als Looper beziehungsweise Roller. Im Drum-Kontext entstehen damit schnelle Wiederholungen und Fills; auf den melodischen Spuren greift er ebenfalls direkt in den laufenden Ablauf ein. Zusammen mit Mute, Transposition und dem spontanen Wechsel von Sequenzen liefert der Controller genügend Eingriffsmöglichkeiten für einen lebendigen Jam, bleibt aber kontrollierbarer als ein völlig zufälliges Generatorsystem.

Die Kombination ist im Test überzeugender als jede Funktion für sich. Ein Pattern kann zunächst sauber programmiert, dann mit Swing gelockert und an ausgewählten Stellen über den Roller verdichtet werden. Randomness eignet sich eher als dosierter Impuls als für einen dauerhaften Vollanschlag. Der BeatStep Pro zwingt dich nicht zu dieser Arbeitsweise, stellt die Werkzeuge aber ohne Menüsuche bereit.

Arturia BeatStep Pro im Test - Performance-Funktionen, die wirklich in den Ablauf passen

MIDI, CV/Gate und Clock gleichzeitig im Griff

Die Rückseite ist der wichtigste Grund, sich den BeatStep Pro genauer anzusehen. MIDI In und Out werden über die mitgelieferten 3,5-mm-Adapter angeschlossen. Dazu kommen USB, Clock In/Out, zwei vollständige Gruppen für Pitch-CV, Velocity-CV und Gate sowie acht separate Drum-Gate-Ausgänge. Die Pitch-Ausgänge arbeiten mit 1 Volt pro Oktave, die Gate-Ausgänge laut Arturia mit 10 Volt.

Damit kann eine Melodiespur beispielsweise einen analogen Synthesizer über CV/Gate steuern, während die zweite per MIDI an einen weiteren Klangerzeuger geht. Die Drum-Spur triggert parallel ein Modul oder eine Drum-Machine, und die USB-Verbindung hält die DAW im Verbund. Gerade für ein gemischtes Setup aus älteren und neueren Geräten ist diese Anschlussdichte ungewöhnlich praktisch.

Der BeatStep Pro kann selbst den Takt vorgeben oder einer externen Clock folgen. Zur Auswahl stehen unter anderem USB, MIDI und analoge Synchronisation; über den mitgelieferten Adapter ist auch DIN Sync vorgesehen. Farbcodierte Anschlüsse erleichtern die Verkabelung. Im Karton liegen außerdem zwei MIDI-Adapter, ein Clock-Adapter und ein Anti-Ground-Loop-Adapter für Setups, in denen die USB-Stromversorgung Störgeräusche verursacht.

Arturia BeatStep Pro im Test - Standalone arbeiten oder die DAW ergänzen

Standalone arbeiten oder die DAW ergänzen

Ein Computer ist zum Sequenzieren nicht erforderlich. Der BeatStep Pro erhält Strom über USB und kann mit einem passenden USB-Netzteil eigenständig betrieben werden. Dadurch eignet er sich als Zentrale für ein DAWless-Setup. Die USB-Verbindung ist class compliant, sodass auch die Einbindung in einen Rechner ohne speziellen Treiber unkompliziert bleibt.

Im Control Mode senden Pads, Encoder und Step-Taster MIDI-Noten, CC-Befehle oder Program Changes. Damit steuerst du Software-Instrumente, Clips oder Parameter externer Geräte. Eine automatisch zugeordnete DAW-Mixeroberfläche mit Fadern und fertigen Mappings ist der BeatStep Pro allerdings nicht. Seine Hauptrolle bleibt der Sequencer, während der Controller-Modus eine nützliche Ergänzung darstellt.

Für Controller-Zuweisungen, Skalen, Drum-Noten, Projekt-Backups und weitere Einstellungen nutzt Arturia das kostenlose MIDI Control Center. Die Hardware-Firmware 2.0.1.6 stammt bereits aus dem Jahr 2018 und bildet den aktuellen Endstand. Das MIDI Control Center selbst wird weiterhin gepflegt. Das ist eine etwas ungewöhnliche Kombination: Der Funktionsumfang des Geräts ist abgeschlossen, die Verwaltungssoftware läuft aber auch auf aktuellen Systemen weiter.

Ableton Live Lite und Analog Lab Intro gehören zum Softwarepaket. Beide reichen aus, um nach der Einrichtung direkt mit Software-Klängen zu starten. Für einen bereits ausgestatteten Hardware-Produzenten sind sie eher Zugabe als Kaufgrund.

Wo das Konzept an seine Grenzen kommt

Die direkte Oberfläche macht vieles schnell, ersetzt aber keine tiefe Arranger- oder Automationsumgebung. Polyphone Melodiespuren fehlen, und für komplette Songs mit vielen aufeinanderfolgenden Abschnitten ist eine DAW oder ein umfangreicherer Sequencer bequemer. Auch MIDI-CC-Automationen lassen sich nicht wie Notenfolgen in den beiden Melodie-Sequencern aufzeichnen. Wer komplexe Parameterfahrten und Akkorde plant, stößt deshalb relativ früh an die konzeptionelle Grenze.

Der zweite Punkt ist die Stromversorgung. Der Micro-USB-Anschluss führt Strom und Daten zugleich; eine separate Netzteilbuchse gibt es nicht. Im normalen Studioeinsatz funktioniert das, verlangt aber einen vernünftig geführten Kabelweg. An einem Gerät, das häufig auf- und abgebaut wird, sollte kein Zug auf der Buchse liegen. Der solide Rest des Gehäuses ändert nichts daran, dass dieser einzelne Anschluss besondere Sorgfalt verdient.

Auch das Bedienkonzept passt nicht zu jedem Musiker. Wer Noten bevorzugt auf einer Tastatur spielt, findet beim KeyStep Pro die vertrautere Oberfläche und polyphone Sequencer. Der Korg SQ-64 stellt mehr Melodiespuren und eine kompaktere Matrix bereit, verlangt dafür aber mehr Arbeit über Modi und Display. Der BeatStep Pro bleibt die interessante Wahl, wenn direkter Zugriff und umfangreiche CV-Anschlüsse wichtiger sind als Akkorde oder ein tiefer Song-Modus.

Arturia BeatStep Pro im Test - Wo das Konzept an seine Grenzen kommt

Fazit: eine direkte Schaltzentrale für hybride Setups

Der Arturia BeatStep Pro überzeugt im Test durch eine seltene Kombination: Seine Sequencer sind schnell genug für spontane Ideen, gleichzeitig reichen Anschlüsse und Performance-Werkzeuge für anspruchsvolle Hardware-Setups. Zwei monophone Melodiespuren, 16 Drum-Spuren und bis zu 64 Schritte pro Sequenz decken Basslinien, Leads, Rhythmusspuren und modulare Patterns sehr gut ab.

Seine größten Stärken sind die übersichtliche Step-Bearbeitung und die Verbindung von MIDI, USB, Clock und CV/Gate. Swing, Randomness und der Roller wirken nicht wie nachträgliche Extras, sondern passen in den laufenden Jam. Das hohe Gewicht und die klare Oberfläche vermitteln dabei mehr Ernsthaftigkeit, als man von einem so flachen Controller erwarten könnte.

Die Grenzen sind ebenso deutlich. Akkorde, tiefe Song-Arrangements und aufgezeichnete CC-Automationen gehören nicht zu seinem Schwerpunkt. Dazu kommt der empfindlich zu behandelnde Micro-USB-Anschluss. Wenn du damit leben kannst und einen Sequencer für Synthesizer, Drum-Machines und Modulartechnik suchst, ist der Arturia BeatStep Pro bei Recordcase weiterhin eine sehr schlüssige Lösung. Weitere Geräte des Herstellers findest du in der Arturia-Markenwelt.



Arturia BeatStep Pro im Test - Fazit: eine direkte Schaltzentrale für hybride Setups
Produktgruppe Hardware-Step-Sequencer und MIDI-Controller
Sequencer 2 monophone Melodie-Sequencer, 1 Drum-Sequencer mit 16 Spuren
Sequenzlänge Bis zu 64 Schritte
Speicher 16 Projekte mit je 16 Sequenzen pro Spur
Bedienelemente 16 Encoder, 16 Step-Taster, 16 anschlag- und druckempfindliche Pads, Touchstrip
Anschlüsse USB, MIDI In/Out, Clock In/Out, 2 × Pitch/Velocity/Gate, 8 × Drum Gate
Maße 415 × 163 × 36 mm
Gewicht 1,45 kg
Software MIDI Control Center, Analog Lab Intro, Ableton Live Lite